Arbeitslos in der Schweiz 2026: Taggeld, Wartetage und wie lange die ALV zahlt

Aktualisiert am 28. Oktober 2026

Wer in der Schweiz die Stelle verliert, fällt weich – aber nicht so weich, wie viele glauben. Was die Arbeitslosenkasse zahlt, wann sie nichts zahlt, und welche Fehler Taggelder kosten.

Marco, 38, Projektleiter in Winterthur, erhält Ende Juni die Kündigung auf Ende September. Er verdient 7000 Franken im Monat, dreizehnmal im Jahr, und hat keine Kinder. Wie viele Arbeitnehmende geht er davon aus, dass die Arbeitslosenversicherung „etwa 80 Prozent“ zahlt. Es werden 70 – und auch die nicht ab dem ersten Tag.

Der versicherte Verdienst

Die Kasse rechnet mit dem durchschnittlichen AHV-pflichtigen Lohn der letzten sechs Monate. Ist der Durchschnitt der letzten zwölf Monate höher, gilt dieser. Der 13. Monatslohn zählt anteilig: Aus 13 × 7000 Franken werden 7583 Franken pro Monat. Versichert ist der Lohn höchstens bis 12 350 Franken pro Monat. Wer mehr verdient hat, erhält trotzdem nicht mehr.

70 oder 80 Prozent

Der Grundsatz ist 70 %. 80 % erhalten nur, wer für Kinder unter 25 Jahren unterhaltspflichtig ist, wer eine IV-Rente von mindestens 40 % bezieht oder wer einen versicherten Verdienst von höchstens 3797 Franken hat. Bei Marco ergibt das ein Taggeld von 7583 / 21,7 × 70 % = rund 245 Franken, rund 5300 Franken pro Monat.

Davon gehen noch Beiträge ab: AHV/IV/EO von 5,3 %, die Prämie der Nichtberufsunfallversicherung, die über die Suva läuft, und ein BVG-Beitrag für die Risiken Tod und Invalidität. Einkommenssteuer wird nicht abgezogen. Die kommt im nächsten Frühling mit der Steuerrechnung.

Die Wartetage

Bevor das erste Taggeld fliesst, gibt es eine Wartezeit, die mit dem Verdienst wächst:

Versicherter Verdienst pro Monatohne Unterhaltspflichtmit Unterhaltspflicht
bis 3000 Fr.0 Tage0 Tage
3001 bis 5000 Fr.5 Tage0 Tage
5001 bis 7500 Fr.10 Tage5 Tage
7501 bis 10 416 Fr.15 Tage5 Tage
ab 10 417 Fr.20 Tage5 Tage

Marco wartet also 15 Arbeitstage, drei Wochen ohne Geld. Wer zum ersten Mal arbeitslos wird, sollte diese Lücke einplanen.

Wie lange?

Die Zahl der Taggelder hängt von der Beitragszeit in den letzten zwei Jahren (der Rahmenfrist) und vom Alter ab:

  • 200 Taggelder: unter 25 Jahren ohne Kinder
  • 260 Taggelder: 12 bis 17 Beitragsmonate
  • 400 Taggelder: ab 18 Beitragsmonaten
  • 520 Taggelder: ab 55 Jahren und mindestens 22 Beitragsmonaten
  • plus 120 Taggelder, wenn die Arbeitslosigkeit in den letzten vier Jahren vor dem AHV-Referenzalter eintritt

400 Taggelder entsprechen bei 21,7 Taggeldern pro Monat etwas mehr als 18 Monaten. Die Taggelder müssen innerhalb der zweijährigen Leistungsrahmenfrist bezogen werden.

Was Taggelder kostet

Die Kasse kann Versicherte für eine bestimmte Zahl von Tagen „in der Anspruchsberechtigung einstellen“. Das heisst: Diese Tage werden nicht bezahlt und gehen vom Gesamtanspruch ab. Die häufigsten Gründe:

  • Eigene Kündigung ohne zugesicherte neue Stelle: gilt als schweres Verschulden, 31 bis 60 Tage.
  • Zu wenig Arbeitsbemühungen, auch schon während der Kündigungsfrist. Das RAV erwartet in der Regel acht bis zwölf Bewerbungen pro Monat, schriftlich dokumentiert.
  • Verspätete Anmeldung: Die Anmeldung beim RAV muss spätestens am ersten Tag erfolgen, für den Taggelder verlangt werden. Rückwirkend wird nichts bezahlt.
  • Eine zumutbare Stelle ablehnen oder einen Kurs abbrechen.

Zwischenverdienst lohnt sich

Wer während der Arbeitslosigkeit einen schlechter bezahlten Job oder Teilzeit annimmt, erhält von der Kasse Kompensationszahlungen: 70 oder 80 % der Differenz zum versicherten Verdienst. Unter dem Strich hat man mehr Geld als mit Taggeldern allein, die Rahmenfrist läuft weiter, und der Lebenslauf hat keine Lücke.

Ihre eigenen Zahlen – Taggeld, Wartetage, Anzahl Taggelder – berechnet der Arbeitslosenentschädigung-Rechner.

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